E-Business or No-Business!
ConMoto-Gründer und Geschäftsführender Gesellschafter Dr.-Ing. Ralf Feierabend

Das war eine plakative Aussage zu Zeiten des Internetbooms zur Jahrtausendwende. Daran werden sich nicht mehr so viele in der Wirtschaft aktive Menschen erinnern. 20 Jahre war das nur ein inhaltsleerer Slogan, jetzt ist es Realität!

Der stationäre Einzelhandel steht vor einem brutalen Strukturwandel, es sei denn, er handelt mit Artikeln des täglichen Bedarfs. Interessant ist aber, dass ausgerechnet die Händler am lautesten Jammern, die selbst gegen alle Regeln der sozialen Marktwirtschaft verstoßen. Ein Beispiel ist der Textildiscounter „Kik“. In einem Interview mit der reißerischen Schlagzeile im Handelsblatt „Eine ganze Branche wird zum Schafott geführt“ darf Kik-Chef Patrick Zahn ausführlich jammern. Er spricht von den Corona-Maßnahmen als „Konjunkturprogramm für Amazon“ und wirft der Politik Salamitaktik vor.

Ein Darwinist des Einzelhandels beklagt sich

Ausgerechnet ein Händler, der gegen alle Regeln des fairen Handels verstößt und damit in den vergangenen Jahren tausende von ehrbaren Kaufleuten geschädigt hat! Zur Verdeutlichung: Im Interview sagt Zahn, „88 Prozent der bei uns verkauften Teile liegen im Preis unter 5,99 Euro, etwa 50 Prozent liegen sogar unter 1,99 Euro.“ Ein Darwinist des Einzelhandels beklagt, dass Amazon ihn unter Druck bringt. Durchsetzen um jeden Preis, Ellenbogen raus, wo es nur geht, aber jammern, wenn es schwierig wird. Wir sprechen alle in großer Sorge von der Verelendung der Innenstädte, wenn der örtliche Handel Corona nicht überlebt. Ganz deutlich: die Wellblechbuden von Kik am Rande der Gewerbegebiete – rund 2.600 Filialen sind es in Deutschland – werde ich nicht vermissen!

Aber um den stationären Einzelhandel, der neben der Gastronomie und kulturellen Einrichtungen das Bild der Innenstädte prägt, müssen wir uns sicher Sorgen machen. Die Händler müssen ihre Geschäftsmodelle ebenso überdenken, wie die Innenstadt-Vermieter die Höhe ihrer Mieten. Wenn selbst in Städten wie München, deren internationale Attraktivität nicht nur vom Oktoberfest und Hochkultur geprägt wird, sondern auch durch einen sehr attraktiven Einzelhandel in der Innenstadt, der Leerstand einen beängstigenden Umfang erreicht, muss man an neue Strategien denken.

Kooperative Plattformen für das Internet wären zumindest ein Ansatz, um diese Probleme zu mildern. Es geht nicht um sentimentales Aufrechterhalten nicht mehr lebensfähiger Strukturen, es geht um die schnelle Anpassung der Geschäftsmodelle an die neuen Anforderungen. Kommunen, Regionen, Kreisverwaltungen müssen sich Gedanken machen, wie unsere Gemeinden und Städte in zehn Jahren aussehen sollen. Immobilienentwickler und Investoren sollten einbezogen werden. Die Zukunft unserer Volkswirtschaft muss gestaltet werden, wenn sie sich nicht krebsartig entwickeln soll.

Dr.-Ing Ralf Feierabend
Geschäftsführender Gesellschafter von ConMoto